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Geschrieben von Th. Wartenberg
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Daten und Demokratie
Für den Bruchteil einer Sekunde dachte ich daran. Ich wollte meinen Beitrag aus 2008
erneut für den Einstieg in 2010 nutzen. Aber das ist natürlich unsinnig,
zuviel hat sich verändert. Oder?
Der Körperscanner ist wieder aktuell. Google wird von
Medienvertretern und Politikern als Schreckgespenst aufgebaut. Und
schließlich feiern wir alle Ende Januar den europäischen Datenschutztag.
Zum vierten Mal.
Es gibt keinen Datenschutz. Das ist Realität.
Wenn heute über sogenannte private Daten diskutiert wird, kann es nur
um Daten-Management gehen. Damit meine ich die Verwaltung der zu einer
natürlichen Person verfügbaren oder durch sie bzw. Dritte generierbaren
Daten.
Gibt es so etwas? Ist eine Verwaltung realistisch? Warum sollte ich mir
darum überhaupt Gedanken machen? Noch immer bin ich froh, wenn die
letzte Frage gestellt und nicht als unabänderlicher Fakt aus dem
Bewusstsein geschoben wird.
Was macht Google? Handeln. Der Nutzer gibt dem Konzern seine Daten und
erhält als Gegenleistung kostenlos die jeweils gewünschte Anwendung.
Google wertet im Gegenzug die vorliegenden Daten aus und bietet die Ergebnisse
Interessenten gegen Entgelt an. Zugegeben, diese Beschreibung des
Geschäftsmodells ist eine nahezu ungeheuerliche Vereinfachung. Doch sie
ist ausreichend für meine Betrachtungen.
Eine Kritik an Google ist nun, dass Daten erfasst werden und erst
nachträglich die Rechtmäßigkeit der Erfassung in den Fokus
rückt. Google schafft also Fakten - im doppelten Sinne. Dazu fällt mir
eine Frage ein. Wie verhält sich im Vergleich dazu die Vorratsdatenspeicherung?
Doch zurück zu den Google-Anwendungen.
Seit Jahren schon bemüht sich Google, die virtuelle Welt des alten
Internets zu verlassen. Vielen ist das erst vor zwei Jahren bewusst
geworden, als sie die Google-Fahrzeuge in ihrem deutschen Städtchen
entdeckten. Dabei nutzen sie vielleicht in diesem Augenblick sogar
Google Maps auf ihrem Smartphone, um die nächste Pizzeria zu finden.
Oder sie freuen sich über kostengünstige
Navigationslösungen.
Als Ende letzten Jahres auch in der off-line Version von Picasa
eine ausreichend funktionierende Gesichtserkennung eingebaut wurde, augmented
Reality als Begriff durch den Blätterwald alter Printmedien
huschte und klar war, dass das Google Smartphone mit all dem
umgehen kann, rief der Trivial-Journalistenchor das Ende der
Privatsphäre aus. Populismus für das Internet-Präkariat?
Wenn man heute über „Datenschutz“
diskutiert, sollte man auch das Internet der Gegenwart verstehen. Sich
seiner Anonymität im Netz sicher zu sein, indem man auf dynamische
IP-Adressen, auf Cookie-Vernichter, den fehlenden Facebook-Account oder
Email Dienste ohne den eigenen Klarnamen hinweist, macht betroffen.
Die Möglichkeiten moderner Analyseverfahren sind vielen nicht bewusst.
Ebensowenig wie die Vielfalt der sich anschließenden Monetarisierung.
Eine genaue Zielgruppen-Ansprache
ist nur ein Aspekt.
Können Sie sich den gläsernen Menschen vorstellen? Glauben Sie an eine transparente
Gesellschaft?
Vor 16 Jahren surfte ich das erste Mal durch die neuen Welten des
Internet - mit einem PC dessen Leistungsdaten denen eines aktuellen
Smartphone ähneln. Nur ein paar hunderttausend Deutsche waren ebenso
dabei.
Heute nutzt über 70% der deutschen Bevölkerung das Internet. Die klare
Grenze zwischen on-line und off-line Welt ist längst verschwunden.
Mobile Lösungen und Echtzeit Suche bestimmen das gegenwärtige Bild.
Bisweilen sind es erfolgreich umgesetzte Konzepte,
die einige Entwicklungen stark beschleunigen, neue Nutzergruppen
ansprechen und neue Geschäftskonzepte ermöglichen. Dafür versuchen
Hersteller neue (i)Grenzen zu ziehen. Das Netz ändert sich ständig.
Herr Schirrmacher nimmt in seinem aktuellen Buch einen faszinierten wie auch vorsichtig
reservierten bis resignierten Standpunkt zum Thema der digitalen
Gesellschaft ein. Auch hier kommt Google nicht zu kurz. Ich habe mir
die kurzweilige Lektüre auf meiner letzten Bahnfahrt gegönnt und
empfehle sie. Übrigens konnte ich die beständig zunehmende Verspätung
unterwegs über das mobile Reiseportal der
Bahn verfolgen. Ja, ich weiß. Herr Schirrmacher lacht jetzt.
Auch der von mir seit Jahren geschätzte Herr Pispers
hat in seinem aktuellen Programm einen guten Punkt nach vorn gebracht.
Der Deutsche hat zuviel Angst. Sicher trifft das nicht nur für Terror,
Renten oder andere Verlustängste zu. Es schließt allgemein die Angst
vor Veränderung ein. Denn über nichts anderes habe ich weiter oben
geschrieben.
Es sind gewaltige Veränderungen, die nach Anpassung verlangen. Schon
immer haben neue Technologien Warnrufe der „alten Welt“ provoziert,
gefolgt von Herabstufung, Ignorierung und dem fast krampfhaften
Festhalten am Bekannten. Die Gesellschaft braucht ihre Zeit, so wie
jeder Einzelne. Wieviel Zeit haben wir?
Eine Frage habe ich noch. Welche Auswirkungen hat das Internet auf
unsere Demokratie? Keiner nimmt es Ihnen übel, wenn Sie jetzt spontan
an Twitter denken. Es wäre nur schade, falls Ihnen nicht noch viel mehr
einfällt.
Ich wünsche uns ein spannendes und erfolgreiches Jahr 2010.
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